Bei der Demonstration von rund 15 000 Kapitalismuskritikern in Berlin ist es zu Krawallen gekommen. Nach einem bis dahin friedlichen Protestmarsch lieferten sich am Roten Rathaus mehrere hundert Teilnehmer Schlägereien mit der Polizei.
Dabei wurden auch mehrere Glasflaschen geworfen und Polizeifahrzeuge beschädigt. Zahlreiche Randalierer wurden abgeführt. Mit den Demonstrationen in Berlin und Frankfurt am Main auf die Straße wollten die Teilnehmer gegen die Krisenpolitik der großen Industrienationen protestieren. Unter dem Motto «Wir zahlen nicht für eure Krise» hatte dazu ein breites Bündnis aufgerufen, darunter Gewerkschaften, Attac, Umweltverbände und die Linkspartei.
In Frankfurt forderten nach Angaben der Veranstalter rund 25 000 Demonstranten, die Banken für die Wirtschaftskrise in Haftung zu nehmen. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf rund 12 000.
Die Demonstranten forderten auf Flugblättern und Transparenten, die Banken für die Krise in Haftung zu nehmen statt Arme und Beschäftigte. Nötig sei ein solidarisches und ökologisches Weltwirtschaftssystem. Hintergrund ist der G20-Gipfel, zu dem sich die führenden Industrie- und Schwellenländer am kommenden Donnerstag in London treffen.
Bei der Kundgebung in Frankfurt wurde Linken-Parteichef Oskar Lafontaine mit Äpfeln und Eiern beworfen. Schon zum Auftakt seiner rund zehnminütigen Rede auf dem Römerberg wurde er von Radikalen aus dem schwarzen Block ausgepfiffen. Lafontaine reagierte kaum auf die Störer und beendete seine Ansprache unter dem Schutz von Schildern und Schirmen.
Der Vorsitzende der Bundestags-Linksfraktion, Gregor Gysi, forderte bei der Abschlusskundgebung in Berlin die Verstaatlichung von Großbanken und eine Umverteilung zugunsten der Armen. «Das System zerstört sich, indem es auf der einen Seite mehr Armut und auf der anderen Seite mehr Reichtum fördert.» Lafontaine forderte in Frankfurt höhere Steuern für große Einkommen. Diejenigen, die die Krise angerichtet hätten, müssten auch für sie zahlen.