Ein Vogel könnte eine der größten wissenschaftlichen Anlagen der Welt lahmgelegt haben: Ein Stück Baguette, das in eines der oberirdischen Teile des Large Hadron Collider gefallen war, hat zu einem Problem im Kühlsystem und damit zu einer Überhitzung im Teilchenbeschleuniger geführt. Das
Brot hat möglicherweise ein Vogel fallen lassen.
Die Pannenserie beim
Large Hadron Collider (LHC) reißt nicht ab: Erneut musste der
Teilchenbeschleuniger abgeschaltet werden. Schuld war ein Problem im Kühlsystem, das die Temperatur in den supraleitenden Magneten des LHC ansteigen ließ.
Die Cern-Techniker staunten nicht schlecht, als sie der Ursache des Problems auf den Grund gingen: In einer der oberirdischen Anlagen des LHC fanden sie ein Stück Baguette, das auf einer
Stromschiene lag, sagte ein Cern-Mitarbeiter dem britischen Nachrichtenangebot
Register. Es hatte einen Teil der Stromversorgung für das Kühlsystem außer Kraft gesetzt. Register war nach eigenen Angaben am Dienstag von Lesern auf den Temperaturanstieg in einem
LHC-Sektor aufmerksam gemacht worden. Diese Daten sind
im Internet
abrufbar.
Die Wissenschaftler rätseln noch, wie das Stück Weißbrot in das Kühlsystem gelangen konnte.
"Keiner weiß, wie es dahingekommen ist", sagte eine Cern-Sprecherin der britischen
Tageszeitung
Times.
"Die wahrscheinlichste Möglichkeit ist, dass
ein Vogel es hat fallen lassen oder dass es aus einem Flugzeug geworfen wurde."
Brot ohne Teilchen
Überhitzung ist beim LHC allerdings relativ: Die gestiegenen Temperaturen betrugen knapp 8 Kelvin - das sind etwa -265 Grad Celsius. Normal sind 1,9 Kelvin, -271 Grad Celsius. Werden die Magnete
zu warm, verlieren sie ihre supraleitenden Eigenschaften. Das kann zwischen 9 und 10 Kelvin passieren. Inzwischen ist die Temperatur wieder bei 1,9 Kelvin.
Der Anfang
September 2008 in Betrieb genommene LHC ist der derzeit leistungsfähigste
Teilchenbeschleuniger der Welt. Kurz nach der Inbetriebnahme hatte jedoch ein
Zwischenfall die Anlage
schwer beschädigt. Im Zuge der einjährigen Reparaturarbeiten wurde auch ein
Sicherheitssystem
installiert, das künftig Schäden wie den aus dem letzten Jahr verhindern soll. In einem
Interview sagte
Cern-Chef Rolf Dieter Heuer aber kürzlich, dass
"immer die Gefahr eines vergleichsweise trivialen Problems, das uns zurückwirft", bestehe.
Am 30. Oktober 2009 sind plangemäß die ersten Teilchenstrahlen durch die 27 Kilometer lange unterirdische Röhre unter dem französisch-schweizerischen Grenzgebiet bei Genf geschickt worden. Die
ersten Kollisionen sollen
im Laufe dieses Monats stattfinden. Von den Experimenten erhoffen sich die
Forscher
Antworten auf grundlegende Fragen der Teilchenphysik.
(wp)